Lucky SHD 100 NEW & SHD 400 – Meine Erfahrungen
Es muss nicht immer ein Ilford oder ein T-Max sein – oder doch?
Meine Liebe zur Schwarz-Weiß-Fotografie, besonders im klassischen analogen Bereich, macht mich neugierig auf neues Fotomaterial. Letztes Jahr, als ich nach längerer Pause wieder intensiver analog fotografierte, hatte ich große Lust, verschiedene Schwarzweißfilme auszuprobieren – um zu sehen, wie sich andere, vielleicht auch vermeintlich „bessere“ Alternativen zu bekannten Klassikern wie Ilford HP5 oder Kodak T-Max 400 schlagen.
Ich habe dabei bewusst verschiedene Schwarzweißfilme und Marken getestet, die ich zuvor meist nur dem Namen nach kannte. Einer davon war der Lucky Film SHD 100 NEW sowie der Lucky Film SHD 400, hergestellt von der China Lucky Film Corporation.
Begonnen habe ich mit dem Lucky Film SHD 400 als Kleinbildfilm. Einige Wochen später folgte der Lucky Film SHD 100 NEW, parallel dazu habe ich den Lucky SHD 400 auch als 120-Film belichtet. Die beiden Kleinbildfilme habe ich selbst entwickelt und gescannt. Die 120-Version habe ich in meinem Fotolabor des Vertrauens in Dresden entwickeln lassen. Auf Entwicklungszeiten, Scan und Ergebnisse gehe ich weiter unten noch genauer ein.
Fotografiert habe ich die beiden Kleinbildfilme mit meiner Pentax ME Super und einem 50 mm f2 Objektiv.
Der 120-Film kam in meiner Pentax 645 und einem 75 mm f2.8 Objektiv zum Einsatz.
Der Lucky SHD 400 – Kleinbild
Die Aufnahmen entstanden in und rund um Chemnitz. Das Wetter war ein klassischer Mix aus Sonne und Wolken, die sich im Tagesverlauf immer wieder abwechselten. Ich habe den Film auf ISO 400 belichtet und – mit wenigen Ausnahmen – überwiegend mit Blenden zwischen f5.6 und f8 fotografiert.
Entwicklung
Entwickelt habe ich den Film mit dem klassischen Rodinal Entwickler.
Entwickler: 1 + 25
Entwicklungszeit: 7 Minuten bei ca. 20 °C
Stoppbad: 1 Minute
Fixierung: 5 Minuten
Wässerungshilfe: 2 Minuten
Schlusswässerung: ca. 10:30 Minuten
Nach dem Entwickeln habe ich den Film etwa vier Stunden trocknen lassen und anschließend mit meinem Scanner, dem Plustek OpticFilm 8200i, digitalisiert.
Zu den Ergebnissen
Auf den ersten Blick gefallen mir die Ergebnisse gut. Schärfe und Kontrast wirken knackig und passend, vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu dunkel, für meinen Geschmack und für die Art der Motive aber absolut im Rahmen.
Ich habe gelesen, dass einige Fotografen den Lucky SHD 400 bewusst auf ISO 200 belichten, was dem Film insgesamt gut tun soll. Eigene Erfahrungen damit habe ich bisher noch nicht, ein entsprechender Test steht aber definitiv noch auf meiner Liste.
Was mir weniger gut gefällt, ist die teilweise sehr starke Körnung. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Korn – im Gegenteil: Im Analogen mag ich es deutlich lieber als digitales Rauschen. Aber Körnung ist eben nicht gleich Körnung. Hier wirkt sie sehr rau, kantig und teilweise recht dominant, vor allem in den dunklen Bildbereichen.
Ein weiterer Punkt, der mir nicht so gut gefallen hat, sind qualitative Schwächen der Filmrolle. Bei einigen Aufnahmen zeigten sich Emulsions- bzw. Materialprobleme, unter anderem ein welliger Effekt am Rand des Films.
Mein Fazit: Lucky Film SHD 400 KB
Würde ich den Lucky SHD 400 im Kleinbild öfter verwenden?
Jein. Trotz seiner Schwächen gefällt mir der Film insgesamt gut. Ich kann mir gut vorstellen, ihn gezielt für die eine oder andere Street-Fotografie-Runde wieder einzulegen – gerade dann, wenn ein etwas rauerer, kontrastreicher Look gefragt ist.
Den Film künftig einmal auf ISO 200 zu belichten, werde ich auf jeden Fall ausprobieren.
Hier ein paar Aufnahmen:
Der Lucky SHD 100 NEW – Kleinbild
Nach den Erfahrungen mit dem Lucky SHD 400 war mein Interesse geweckt, weitere Lucky-Filme zu testen. Der Film zeigte Charakter, Ecken und Kanten, aber auch Schwächen. Umso spannender war für mich die Frage, wie sich der Lucky SHD 100 NEW schlägt. Ein Film, der als überarbeitete Version des SHD 100 gilt, den ich selbst nie getestet habe, und der in vielen Berichten als ausgewogener beschrieben wird. Weniger Körnung, feinere Tonwerte, mehr Kontrolle, zumindest auf dem Papier. Grund genug also, ihn selbst auszuprobieren.
Los geht’s – selbes Spiel.
Auch hier kam wieder meine Pentax ME Super zum Einsatz.
Als Location habe ich erneut Chemnitz gewählt. Das Wetter war ähnlich wie zuvor, allerdings insgesamt etwas sonniger. Ich habe den Film diesmal auf ISO 80 belichtet und überwiegend mit Blenden zwischen f5.6 und f8 fotografiert.
Entwicklung
Entwickelt habe ich den Film ebenfalls in Rodinal.
Entwickler: 1 + 50
Entwicklungszeit: 13 Minuten bei ca. 20 °C
Stoppbad: 1 Minute
Fixierung: 5 Minuten
Wässerungshilfe: 2 Minuten
Schlusswässerung: ca. 10:30 Minuten
Wie gewohnt habe ich den Film nach dem Entwickeln etwa vier Stunden trocknen lassen und anschließend mit meinem Plustek OpticFilm 8200i digitalisiert.
Zu den Ergebnissen
Ich bin positiv überrascht. Der Lucky Film SHD 100 NEW scheint seinem Zusatznamen tatsächlich gerecht zu werden. Der Film zeigt kaum Fehler, wirkt insgesamt sehr sauber und überzeugt mich durch einen wunderbar ausgewogenen Kontrast, gute Schärfe und eine feine, angenehme Körnung.
In den dunkleren Bildbereichen zeigt sich zwar noch eine gewisse SHD-typische Charakteristik, die an den 400er erinnert, sie tritt jedoch deutlich zurück und wirkt wesentlich kontrollierter. Insgesamt erscheint das Bild ruhiger und harmonischer.
Qualitativ gefällt mir der SHD 100 NEW deutlich besser als der SHD 400. Dennoch haben beide Filme ihren eigenen Reiz – es kommt stark darauf an, was man fotografiert und welchen Look man sucht. Würde ich beide Filme für professionelle Aufnahmen einsetzen, bei denen absolute Verlässlichkeit gefragt ist? Wahrscheinlich eher nicht. Als „immer dabei“-Film oder als bewusste Alternative zu vergleichbaren Schwarzweißfilmen kann ich mir den Lucky Film jedoch gut vorstellen – besonders den SHD 100 NEW.
Mein Fazit: Lucky Film SHD 100 NEW
Für meinen Geschmack ist der SHD 100 NEW der bessere und qualitativ ausgewogenere Film im Vergleich zum SHD 400 – ruhiger, feiner und kontrollierter, wenn auch langsamer. Ein Film, den ich mir durchaus häufiger vorstellen kann, wenn es nicht immer ein HP5 oder T-Max sein muss.
Hier ein paar Aufnahmen:
Lucky Film SHD 400 – 120 Mittelformat
Nach meinen Erfahrungen mit dem Lucky SHD 400 im Kleinbild wollte ich wissen, wie sich der Film im Mittelformat verhält. Fotografiert habe ich den Lucky SHD 400 als 120-Film in meiner Pentax 645. Die Aufnahmen entstanden am selben Tag wie die Bilder mit dem Lucky Film SHD 100 NEW.
Diesmal habe ich den Film nicht selbst entwickelt und gescannt, sondern ihn im Fotolabor meines Vertrauens in Dresden entwickeln und scannen lassen. Der Fokus lag für mich hier klar auf dem Bildcharakter und der Qualität des Films im größeren Format.
Als Location diente erneut Chemnitz, unter anderem das Areal der ehemaligen Wanderer-Werke AG – Orte mit viel Struktur, perfekt für erste Tests. Die Lichtverhältnisse waren vergleichbar mit denen der Kleinbildaufnahmen. Auch hier habe ich den Film auf ISO 400 belichtet und überwiegend mit Blenden zwischen f8 und f11 fotografiert.
Eindruck & Ergebnisse
Der erste Eindruck: Der Lucky SHD 400 wirkt im Mittelformat deutlich ruhiger als im Kleinbild.
Die Körnung ist zwar vorhanden, tritt aber wesentlich feiner und gleichmäßiger in Erscheinung. Das größere Negativ relativiert viele der Schwächen, die mir beim Kleinbildfilm aufgefallen sind.
Kontrast und Zeichnung in den Mitten wirken ausgewogener, die Schatten behalten mehr Struktur. Insgesamt erscheint das Bild harmonischer und weniger rau, ohne den typischen Lucky-Charakter vollständig zu verlieren.
Gerade im direkten Vergleich zeigt sich, wie stark das Aufnahmeformat den Eindruck eines Films beeinflusst.
Mein Fazit: Lucky Film SHD 400 / 120
Während mir der Lucky SHD 400 im Kleinbild vor allem für Streetfotografie und bewusst raue Bildlooks geeignet erscheint, gefällt er mir im Mittelformat deutlich besser. Hier kommt der Film mehr zur Ruhe und zeigt, dass in der Emulsion durchaus Potenzial steckt.
Hätte ich die Wahl, würde ich den SHD 400 eher im 120-Format als im Kleinbild einsetzen, insbesondere dann, wenn es nicht nur um Charakter, sondern auch um Bildruhe und Tonwertabstufungen geht. Da ich den Film nicht selbst entwickelt und gescannt habe, spielt das Endergebnis des Fotolabors hier sicherlich ebenfalls eine Rolle.
Entwicklung & Scan: Foto Görner, Dresden
Hier ein paar Aufnahmen:
Wer einen günstigen, ehrlichen Schwarzweißfilm mit eigenem Charakter sucht und bereit ist, sich auf kleine Eigenheiten einzulassen, sollte den Lucky SHD 100 NEW unbedingt ausprobieren, im Zweifel lieber als den SHD 400. Im Kleinbild überzeugt der SHD 400 vor allem durch seinen rauen Charakter, im Mittelformat zeigt er jedoch seine stärkeren Seiten. Wer wählen kann, greift besser zum 120-Film.
